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Über Frischlinge

Autor: HannahNehls | Datum: 30 September 2016, 18:29 | 0 Kommentare

Ich habe vier Babythemen über die ich berichten möchte, und bei dem Ersten bin wohl ich das Baby. Denn wenn man in einem anderen Land ist, dann begibt man sich in eine fremde Kultur. Man muss alles neu lernen, wie ein Kind, ein Baby. Sprechen lernen, Laufen lernen (im übertragenden Sinn, ich hoffe, das versteht sich), Do’s und Dont’s adaptieren und bestenfalls begreifen, mit den fremden Zutaten Kochen lernen (okay, das ist vielleicht nicht ganz Aufgabe eines Babys…) und besonders auch Lachen lernen (speziell über meine Fettnäpfchen).

In einer fremden Sprache muss man sich in einer fremden Umgebung mit fremden Menschen zurechtfinden – da kann einem eben schon mal das ein oder andere Missgeschick passieren.
So verbringe ich meine Wochenenden zur Zeit in Bukoba bei Linda. Linda hat (zumindest für die Anfangszeit) eine Haushälterin – Helena, die für sie kocht und bei ihr im Haus ist. Helena freut sich meist ziemlich, wenn ich komme, was sehr auf Gegenseitigkeit beruht. Und – was für mich, als Selbstversorgerin in Ndolage, wirklich sehr schön ist: Helena kocht hervorragend! Ich hatte mich schon ein paar Mal an Bohnen probiert, habe aber wohl irgendetwas falsch gemacht. War zwar essbar, aber nicht so richtig lecker, weswegen ich dann Helena fragen wollte, wie sie die Bohnen zubereitet. Ich kann meine(n) Fehler nicht rekonstruieren, offensichtlich habe ich sie aber gebeten, zu mir nach Ndolage zu kommen um mir dort Bohnen zu kochen. Helena lag fast auf dem Boden vor Lachen, bis sie angerufen wurde und das Handy verkehrt ans Ohr hielt, was wiederrum Linda und mich sehr zum Lachen brachte. Ein witziges Erlebnis, obwohl ich jetzt Angst habe, nochmal zu fragen, WIE denn nun (ich würde es wirklich gerne wissen).
Weitere Fettnäpfchen, wie dass ich meinen Nachbarn ausversehen als grün oder auch schon als verrückt bezeichne (Jirani, Kijani und Kijinga sind eben sehr ähnlich), ausversehen „Herzlichen Glückwunsch“ statt „Tut mir leid“ zu sagen, oder dass ich übergehe, dass sogar meine Brüder Menschen sind und deshalb besonders angepasst werden müssen (sehr zur Erheiterung meiner ArbeitskollegInnen, ich habe sie einfach als Gegenstände bezeichnet – Sorry!) sind an der Tagesordnung und Teil des Lernprozesses.

So kommen wir zum zweiten Babythema: Ich durfte letzte Woche bei einem Kaiserschnitt zusehen, was unglaublich spannend und zumindest für mich sehr besonders war. Da es für die Mutter das achte Kind und für die Ärzte die zigste OP dieser Art war, wirkte ich wie die Einzige, die aufgeregt war – schließlich wurde da grade vielleicht ein neuer Präsident oder ein Pilot einfach so aus einem Bauch geholt! Die Aufregung war wirklich minimal, außer bei der Schwester der Mutter, die Gott dankend unsere Hände schüttelte.

Viel mehr Trouble gab es um ein 3 Monate altes Kind (das dritte Babythema), auf dessen Babyparty Linda und ich eingeladen waren. Die Beschreibung „Small party, loud music“ bewahrheitete sich, wobei, wie Linda irgendwann feststellte, das Wort „small“ sich nicht auf die Anzahl der Menschen, sondern auf die Größe des Raumes bezog.

Die Musik …

war schon zu hören, als wir das Haus noch gar nicht sahen, war sehr laut und tanzbar, zumindest sind wir ständig in Bewegung gewesen, sehr zur Belustigung der teilweise wirklich gut tanzenden Frauen.

Das Essen…

war wirklich was Besonderes. Unglaubliche Berge an Reis, etwas Fleisch, etwas Bananenähnliches und Wassermelone haben wir auf dem Boden sitzend und mit den Händen essend verzehrt. Vorher und nachher werden die Hände in einer Schüssel gewaschen, und ich bewunderte das Geschick, mit dem die Tansanier den Reis zu kleinen Kugeln formen, diese elegant sich in den Mund schieben und sich dabei kaum besudeln. Hierbei ist mir noch ein Missgeschick passiert: wir haben brav immer beobachtet und kopiert, aber als ich ein Stück Fleisch in der Hand hatte (das einzige, was ich auf dem Teller hatte), wusste ich nicht recht weiter. Es hatte auf der einen Seite etwas wie einen schwarzen Mantel. Kurzentschlossen und weil ich kein großer Fleischfan und eigentlich Vegetarierin bin, habe ich, ohne zu kauen, alles runtergeschluckt – und war ziemlich stolz, kein großes Ding daraus gemacht zu haben. Ein Glück hat das aber keine gesehen, denn anschließend musste ich beobachten, wie alle dieses schwarze Zeug abzogen und liegen ließen. Tja, geschmeckt habe ich, dank meinem Verzicht auf das Kauen, eh nichts.

Die Leute…

waren unheimlich lieb. Gastgeberin war die Tante der Mentorin von Linda, und außer ihren Freundinnen und weiblichen Verwandten tummelten sich unzählige Kinder in dem Zimmer. Das Baby, um das es schließlich ging, hat uns insofern erstaunt, als dass es, obwohl es ständig herumgereicht wurde, laute Musik und viele Menschen ertragen musste und sogar eine Zeit bei uns blieb, überhaupt nicht gefremdelt hat oder weinerlich war. Wirklich ein schöner Abend!

Jetzt zu meinem vierten und letzten Thema, das eigentlich nur durch die Anwesenheit von 4 Babys ein „Babythema“ ist. 4 Babys und 25 Erwachsene, eng zusammengequetscht, 2 der Babys weinen, die anderen beiden schlafen. Viele der Erwachsenen dösen auch vor sich hin, wobei sie in den unbequestem Positionen kauern. Ob das Hinterteil die höchste Stelle ist, man 1,5 h steht, wobei der Oberkörper um 90° nach vorne gebeugt ist, oder man nur mit einer halben Pobacke auf einer Bank sitzt, all das ist völlig normal in den Daladalas, die mich zur Zeit wochenends nach Bukoba und viele Andere quer durch Tansania transportieren. 29 Menschen in einem Kleinbus, in dem 12 Menschen legal und bequem Platz hätten; das ist eine beeindruckende Leistung und bis jetzt mein persönlicher Rekord. Scharf auf einen höheren Rekord bin ich allerdings nicht, vorallem, wenn auf der Rückbank ein heftiges Streitgespräch ausbricht, während vorne der Fahrer telefoniert, zwei Kinder schreien, mein Sitznachbar laut Musik hört und zwischen dem Kassierer und einer Frau eine Diskussion über 500 Schilling ausbricht. Eine erlebnisreiche Fahrt.

Das soll’s für’s Erste von Babys gewesen sein, liebe Grüße und bis bald!

 

Über einen Tag

Autor: HannahNehls | Datum: 08 September 2016, 17:23 | 2 Kommentare

Fliegt man von Düsseldorf über Dubai nach Dar es Salaam, erreicht man eine Stadt mit 5 Mio. Einwohnern, groß, staubig, laut und heiß. Man sieht Menschen auf der Straße, die hektisch in ihre Handys sprechen, die Orangen oder Zuckerrohr verkaufen, die einem „Mambo“ zurrufen. Fliegt man dann weiter in den Nordwesten des Landes, nach Bukoba, gelangt man in eine kleine Stadt am Rande des Viktoriasees. Fährt man von Bukoba nochmal etwas über eine Stunde (mit dem Daladala, einem Kleinbus) auf einer staubigen, roten Straße in den Süden, kommt man nach Kamachumu, einem kleinen Dorf, in dem es Stoffe, eine kleine Bank und einen Markt gibt. Von Kamachumu sind es dann per Motorrad nochmal 10 Minuten, bis man schließlich auf dem Gelände des Ndolage Hospitals ankommt.

Zunächst sieht man einen kleinen Markt, auf dem man hauptsächlich Wasser, Reis, Ugali (Maisbrei), Tomaten, Kohl, Avocado und Bohnen kaufen kann. Dann endlich gelangt man durch ein gesichertes Tor zum Haupteingang des lutheranischen Krankenhauses. Läuft man noch ein paar Meter weiter, sieht man mehrere simple Häuser an dem roten Weg stehen, in Mitten von Bananenbäumen. Hier turnen, wenn es nicht zu heiß ist, die Affen. Eines dieser Häuser ist von innen noch eher kahl, nur geschmückt mit wenigen Bildern von Familie und Freunden. Ein kleines Häuschen mit zwei Zimmern, Küche und Bad.
Und hier wohne ich nun, für das nächste Jahr. I’ve arrived.

6:00 Uhr: Die Glocke vor dem Krankenhaus klingelt. Zeit für die Angehörigen der Patienten, aufzustehen und das Essen für den Bruder, die Mutter oder die Tochter vorzubereiten. Auch mein Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang, so langsam mache ich mich ans Aufstehen, Duschen, Frühstücken. Es gibt Weißbrot mit Avocado und Bananen – lecker!

7:30 Uhr: Schnell habe ich die 100 Meter Fußweg zur Kapelle hinter mich gebracht. Auf dem Weg dorthin begegne ich schon einigen Mitarbeitern und ein kleiner Smalltalk auf Swahili ist ein Muss, wenn man sich auf der Straße begegnet. Montag bis Freitag startet mein Tag mit der Morgenandacht, in der gesungen und gebetet wird und außerdem Raum gegeben wird für bestimmte Angelegenheiten, Dinge, die den Tag betreffen, Leute, die sich bedanken wollen oder einen Wunsch äußern. Manchmal gibt es auch kleine Diskussionen, von denen ich leider noch nicht viel verstehen kann. Danach noch hier ein Gruß und da ein Small talk und dann:

8:00 Uhr: Mein Arbeitstag beginnt. Das Krankenhaus ist für hiesige Verhältnisse groß, hat eine Pädiatrie, eine Palliativstation, einen Kreissaal, einen Zahnarzt, ein Labor und einiges mehr, wie zum Beispiel das CTC (Care and Treatment Center), in dem ich vergangene Woche gearbeitet habe. Hier bekommen HIV-Betroffene ihre Medikamente, es werden Tests gemacht und Patientengespräche geführt. Ich mache alles, was ich machen kann und darf, sei es nun Akten sortieren oder nummerieren oder sogar HIV Tests durchführen und bei Patientengesprächen zuhören. Woche für Woche werde ich die Stationen wechseln, um einen Überblick zu bekommen und um dort mitzuarbeiten, wo ich mich gut einbringen kann. Begleitet werde ich hier von zwei Schülern der, an das Krankenhaus angrenzenden, Nursing School, die in ihrem dritten und letzten Ausbildungsjahr sind und mir viel zeigen und erklären.

11:30 Uhr: Tea Time! Ich habe kurz Pause um etwas Kleines zu essen und einen Chai zu trinken (Schwarztee mit Zucker, aber mir kommt es eher wie Zucker mit Schwarztee vor…).

12:00 Uhr: Es ging bis jetzt meist weiter mit Paperwork. Trotzdem macht es Spaß, alle sind sehr freundlich zu mir und geduldig, wenn ich etwas auf Kiswahili nicht verstehe (was sehr oft vorkommt).

15:30 Uhr: Das CTC schließt. Ich habe jetzt Zeit auf den Markt vor dem Gelände zu gehen, um etwas einzukaufen (wobei die Varietät hier wie gesagt begrenzt ist), etwas zu essen oder zu trinken, spazieren oder wandern zu gehen, zu lesen, zu schreiben… Das Krankenhaus liegt am Rande eines Plateaus und wenn ich etwa 50 Meter weit laufe, habe ich einen wunderschönen Blick in das Tal. An dem Plateaurand kann man sehr schön lang wandern oder klettern. Es gibt auch einen Wasserfall, der momentan bedingt durch die lange Trockenzeit eher weniger Wasser führt. Bis es Zeit zum Abendessen wird, kommen meist ein paar Leute vorbei, meine Tür steht immer offen sofern ich da bin und soll als Einladung verstanden werden. So habe ich schon manche Freunde gemacht, Leute, die einfach für eine halbe Stunde sich zu mir an den Tisch setzten und eine Banane mit mir essen.

18:00 Uhr: Wieder klingelt die Glocke vor dem Krankenhaus. Der Tag im Ndolage ist jetzt vorbei und auch bei mir ist Zeit für‘s Abendessen. Heute gibt es Reis mit Kohl und Tomaten, sonst Bohnen oder anderes Gemüse. Ich koche auf einem Elektroherd – zumindest sofern ich Strom und Wasser habe. Nach dem Abspülen bringe ich den Müll raus und treffe dabei oft auf Nico, meinen Nachbarn aus den Niederlanden, der schon 2,5 Jahre hier lebt nach einem kurzen Plausch lese ich oder gucke einen Film und es wird dunkel, die Grillen fangen an zu zirpen und das Geschrei der Affen und Vögel verstummt.

20:00 Uhr: Lang kann ich meine Lampen nicht brennen lassen, sie ziehen nur Mücken und andere Tiere an. Deshalb geht es bald unters Moskitonetz und ins Bett. Ich merke, dass das Sprache lernen mich anstrengt, ich brauche viel Schlaf und viel Essen! Trotzdem ist es schön, seine eigenen Fortschritte zu sehen und zu merken, dass man immer mehr versteht. Kiswahili ist leider nicht die regionale Sprache, sondern Kihaya, das macht das Lernen der einen Sprache zu einer größeren Herausforderung, besonders, wenn man versucht etwas aus einem Gespräch zu verstehen, nur um dann herauszufinden, dass es Kihaya war. Ein paar Wörter werde ich also auch auf Kihaya mir aneignen müssen.

21:00 Uhr: Licht aus! Gute Nacht und lala salama! (und Daumen drücken, dass DIESE Nacht meine Geckos und Spinnen fleißig die Mücken fressen)

 

Wie ihr seht, habe ich bereits einen kleinen Alltag, der sich sicher noch verändern wird, aber ich hoffe so habt ihr einen kleinen Einblick in meine Anfangszeit bekommen können.