VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Bianca  |  Charlotte  |  Hannah N  |  Hannah S  |  Jannika  |  Jolanthe  |  Jost  |  Jonathan  |  Julia P  |  Julia W

Katharina  |  Laura Fe  |  Lennard  |  Linda  |  Lisa  |  Momo  |  Rebekka  |  Sarah G  |  Sarah N  |  Sina  |  Svenja

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Über einen Tag

Autor: HannahNehls | Datum: 08 September 2016, 17:23 | 2 Kommentare

Fliegt man von Düsseldorf über Dubai nach Dar es Salaam, erreicht man eine Stadt mit 5 Mio. Einwohnern, groß, staubig, laut und heiß. Man sieht Menschen auf der Straße, die hektisch in ihre Handys sprechen, die Orangen oder Zuckerrohr verkaufen, die einem „Mambo“ zurrufen. Fliegt man dann weiter in den Nordwesten des Landes, nach Bukoba, gelangt man in eine kleine Stadt am Rande des Viktoriasees. Fährt man von Bukoba nochmal etwas über eine Stunde (mit dem Daladala, einem Kleinbus) auf einer staubigen, roten Straße in den Süden, kommt man nach Kamachumu, einem kleinen Dorf, in dem es Stoffe, eine kleine Bank und einen Markt gibt. Von Kamachumu sind es dann per Motorrad nochmal 10 Minuten, bis man schließlich auf dem Gelände des Ndolage Hospitals ankommt.

Zunächst sieht man einen kleinen Markt, auf dem man hauptsächlich Wasser, Reis, Ugali (Maisbrei), Tomaten, Kohl, Avocado und Bohnen kaufen kann. Dann endlich gelangt man durch ein gesichertes Tor zum Haupteingang des lutheranischen Krankenhauses. Läuft man noch ein paar Meter weiter, sieht man mehrere simple Häuser an dem roten Weg stehen, in Mitten von Bananenbäumen. Hier turnen, wenn es nicht zu heiß ist, die Affen. Eines dieser Häuser ist von innen noch eher kahl, nur geschmückt mit wenigen Bildern von Familie und Freunden. Ein kleines Häuschen mit zwei Zimmern, Küche und Bad.
Und hier wohne ich nun, für das nächste Jahr. I’ve arrived.

6:00 Uhr: Die Glocke vor dem Krankenhaus klingelt. Zeit für die Angehörigen der Patienten, aufzustehen und das Essen für den Bruder, die Mutter oder die Tochter vorzubereiten. Auch mein Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang, so langsam mache ich mich ans Aufstehen, Duschen, Frühstücken. Es gibt Weißbrot mit Avocado und Bananen – lecker!

7:30 Uhr: Schnell habe ich die 100 Meter Fußweg zur Kapelle hinter mich gebracht. Auf dem Weg dorthin begegne ich schon einigen Mitarbeitern und ein kleiner Smalltalk auf Swahili ist ein Muss, wenn man sich auf der Straße begegnet. Montag bis Freitag startet mein Tag mit der Morgenandacht, in der gesungen und gebetet wird und außerdem Raum gegeben wird für bestimmte Angelegenheiten, Dinge, die den Tag betreffen, Leute, die sich bedanken wollen oder einen Wunsch äußern. Manchmal gibt es auch kleine Diskussionen, von denen ich leider noch nicht viel verstehen kann. Danach noch hier ein Gruß und da ein Small talk und dann:

8:00 Uhr: Mein Arbeitstag beginnt. Das Krankenhaus ist für hiesige Verhältnisse groß, hat eine Pädiatrie, eine Palliativstation, einen Kreissaal, einen Zahnarzt, ein Labor und einiges mehr, wie zum Beispiel das CTC (Care and Treatment Center), in dem ich vergangene Woche gearbeitet habe. Hier bekommen HIV-Betroffene ihre Medikamente, es werden Tests gemacht und Patientengespräche geführt. Ich mache alles, was ich machen kann und darf, sei es nun Akten sortieren oder nummerieren oder sogar HIV Tests durchführen und bei Patientengesprächen zuhören. Woche für Woche werde ich die Stationen wechseln, um einen Überblick zu bekommen und um dort mitzuarbeiten, wo ich mich gut einbringen kann. Begleitet werde ich hier von zwei Schülern der, an das Krankenhaus angrenzenden, Nursing School, die in ihrem dritten und letzten Ausbildungsjahr sind und mir viel zeigen und erklären.

11:30 Uhr: Tea Time! Ich habe kurz Pause um etwas Kleines zu essen und einen Chai zu trinken (Schwarztee mit Zucker, aber mir kommt es eher wie Zucker mit Schwarztee vor…).

12:00 Uhr: Es ging bis jetzt meist weiter mit Paperwork. Trotzdem macht es Spaß, alle sind sehr freundlich zu mir und geduldig, wenn ich etwas auf Kiswahili nicht verstehe (was sehr oft vorkommt).

15:30 Uhr: Das CTC schließt. Ich habe jetzt Zeit auf den Markt vor dem Gelände zu gehen, um etwas einzukaufen (wobei die Varietät hier wie gesagt begrenzt ist), etwas zu essen oder zu trinken, spazieren oder wandern zu gehen, zu lesen, zu schreiben… Das Krankenhaus liegt am Rande eines Plateaus und wenn ich etwa 50 Meter weit laufe, habe ich einen wunderschönen Blick in das Tal. An dem Plateaurand kann man sehr schön lang wandern oder klettern. Es gibt auch einen Wasserfall, der momentan bedingt durch die lange Trockenzeit eher weniger Wasser führt. Bis es Zeit zum Abendessen wird, kommen meist ein paar Leute vorbei, meine Tür steht immer offen sofern ich da bin und soll als Einladung verstanden werden. So habe ich schon manche Freunde gemacht, Leute, die einfach für eine halbe Stunde sich zu mir an den Tisch setzten und eine Banane mit mir essen.

18:00 Uhr: Wieder klingelt die Glocke vor dem Krankenhaus. Der Tag im Ndolage ist jetzt vorbei und auch bei mir ist Zeit für‘s Abendessen. Heute gibt es Reis mit Kohl und Tomaten, sonst Bohnen oder anderes Gemüse. Ich koche auf einem Elektroherd – zumindest sofern ich Strom und Wasser habe. Nach dem Abspülen bringe ich den Müll raus und treffe dabei oft auf Nico, meinen Nachbarn aus den Niederlanden, der schon 2,5 Jahre hier lebt nach einem kurzen Plausch lese ich oder gucke einen Film und es wird dunkel, die Grillen fangen an zu zirpen und das Geschrei der Affen und Vögel verstummt.

20:00 Uhr: Lang kann ich meine Lampen nicht brennen lassen, sie ziehen nur Mücken und andere Tiere an. Deshalb geht es bald unters Moskitonetz und ins Bett. Ich merke, dass das Sprache lernen mich anstrengt, ich brauche viel Schlaf und viel Essen! Trotzdem ist es schön, seine eigenen Fortschritte zu sehen und zu merken, dass man immer mehr versteht. Kiswahili ist leider nicht die regionale Sprache, sondern Kihaya, das macht das Lernen der einen Sprache zu einer größeren Herausforderung, besonders, wenn man versucht etwas aus einem Gespräch zu verstehen, nur um dann herauszufinden, dass es Kihaya war. Ein paar Wörter werde ich also auch auf Kihaya mir aneignen müssen.

21:00 Uhr: Licht aus! Gute Nacht und lala salama! (und Daumen drücken, dass DIESE Nacht meine Geckos und Spinnen fleißig die Mücken fressen)

 

Wie ihr seht, habe ich bereits einen kleinen Alltag, der sich sicher noch verändern wird, aber ich hoffe so habt ihr einen kleinen Einblick in meine Anfangszeit bekommen können.

  

 

 

«zurück   1 2