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Veränderung der Stelle und Anekdoten

Autor: HannahNehls | Datum: 27 Oktober 2016, 12:23 | 1 Kommentare

Wie unendlich viel sich doch in ein paar Wochen verändern kann.

Eineinhalb Wochen habe ich im OP des Krankenhauses verbracht. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt – ich durfte bei den Operationen zusehen (Kaiserschnitte [was unglaublich ist, ein kleiner Schnitt und zack – ein neues Menschlein!], Sterilisierungen, Explorations…) und viele Fragen stellen. Nein, das Blut und Fleisch hat mir nichts ausgemacht, auch wenn ich manchmal an einen Metzger denken musste.

 

Aber die Tatsache, dass dort geholfen und geheilt wird und man am Ende alles wieder zuflickt (was beim Metzger ja eher selten der Fall ist…), fasziniert mich. Genauso wie es mich fasziniert, wie schnell man etwas kaputt machen kann (jemanden aufschneiden) und wie lang es dann dauert, das wieder zu reparieren (jemanden zumachen). Die Kunst, eine Wunde zu verschließen ist eine viel Größere als die, eine zu erschaffen.

An Tagen ohne OPs oder auch dazwischen habe ich viel geputzt, beim sterilisieren und packen, waschen, Patienten vor—und nachbereiten und umbetten geholfen. Das Team ist unfassbar nett und witzig, besonders viel wurde in der täglichen Teatime geredet, bei der ich mich immer anstrengte, dem Gespräch zu folgen.

Eines Tages kam dann schließlich Niwagila, mein Mentor, zu mir, um mir mitzuteilen, dass ich nicht mehr im Krankenhaus arbeiten kann. Nach einigem Hin und Her ergibt sich folgendes: Es gibt ein neues tansanisches Gesetz, dass es nicht ausgebildetem Personal und damit Freiwilligen wie mir verbietet, sich in den Stationen des Krankenhauses aufzuhalten. Dieses Gesetz galt ab sofort, was auch streng umgesetzt wird. Diese direkte Umsetzung und auch das Gesetz an sich halte ich für richtig und wichtig, es ist nur leider tödlich für meine Stelle. Schnell wurden nach Alternativen gesucht. Seit zwei Wochen bin ich nun drei Mal die Woche vormittags im Kindergarten auf dem Krankenhausgelände. Mit 12 Kindern spielen wir, lernen das Alphabet,  die Zahlen, wie man korrekt die Straße überquert usw. Die Kinder, die mich am Anfang „Mzungu“ (das bedeutet so viel wie „weiße Europäerin“) genannt haben, haben inzwischen auf die Lehrerin gehört und nennen mich nun „Dada Hannah“ – Schwester Hannah. Viiiel besser, da ich Mzungu schon genug auf den Straßen von Bukoba genannt wurde und das Wort, obwohl alle beteuern, dass es nichts Negatives ist, doch einen bitteren Beigeschmack hat. Außerdem ist Dada ja auch viel leichter auszusprechen! Vor ein paar Tagen habe ich auch meine erste „Unterrichtsstunde“ gegeben, in denen ich spielerisch versucht habe, die Farben auf Englisch beizubringen. Da die Kids aber erstmal die Farben auf Swahili lernen mussten, habe ich wohl etwas zu hoch angesetzt, am Ende war alles ein großes Chaos und ich durchgeschwitzt. Da muss ich wohl etwas anders rangehen!

Die Lehrerin spricht kein Englisch, genauso wie die Kinder, was gut für mein Swahili ist. Außerdem ist sie ganz ambitioniert, mir Kihaya (die lokale Stammessprache) beizubringen, meiner Meinung nach hat das aber noch Zeit… ein paar Brocken kann ich aber schon. Trotzdem will ich mich eigentlich erstmal auf Swahili konzentrieren.

Zweimal die Woche bin ich vormittags mit dem Palliativarzt des Krankenhauses in den umliegenden Dörfern unterwegs, um Patienten zu besuchen. All diese Besuche werden zu Fuß erledigt, was aber auch praktisch ist, so kann man die ganzen Shortcuts benutzen, die zwischen den Feldern und Wiesen existieren. Bei diesen Besuchen wird meist nur etwas geplaudert und, je nach Zustand des/der Patienten/in, Schmerzmittel verschrieben. Hier werde ich wieder mit Kihaya konfrontiert, die Unterhaltungen laufen alle auf dieser mir so fremden Sprache. Ich lächle also und höre zu, und wenn ich Glück habe werden mir noch Dinge gezeigt, z.B. wie lokales Bananenbier hergestellt wird.

Für den Nachmittag habe ich folgende Idee: Die Schüler der anliegenden Nursing School sollen ihren Unterricht eigentlich komplett auf Englisch erhalten, das wird aber nur etwa zur Hälfte realisiert. Einige sprechen sehr gut Englisch, anderen fällt es schwerer, was die Idee eines Nachhilfeunterrichts nahe bringt. Ich hatte Angst, dass sich niemand melden würde, aber innerhalb nur eines Tages standen schon über 70 interessierte Schüler auf der Liste. Nächste Woche werde ich also damit anfangen – und hoffentlich die Masse etwas zerteilen können.

Ganz schnell hat sich also meine Stelle von „im Krankenhaus mitmachen, lernen und mitarbeiten“ zu „Kinder im Alter von 3-5 bespaßen und Menschen im Alter von 18-22 unterrichten“ verwandelt.

Lehrerin wollte ich ja eigentlich nicht werden, das Ganze stellt mich nun vor eine ziemliche Herausforderung, die ich aber ein Glück nicht ohne einige Leute, die mich unterstützen, wie Familie und Freunde in Deutschland, Linda oder Niko (mein Nachbar) meistern muss.

Jetzt noch ein paar kleine Anekdoten:

Von Ndolage nach Kamachumu sind es etwa 4 km, keine 10 Minuten mit dem Pickipicki (dem Motorradtaxi). Irgendwo auf diesem Weg habe ich vor ein paar Tagen meine Jacke verloren, die ich leichtsinnig lose an meine Tasche gebunden hatte. Realisiert habe ich das erst, als es schon viel zu spät war. Als ich knapp 9 Stunden später mich auf den Rückweg machte, hielt ich dennoch Ausschau danach, vielleicht liegt sie ja noch irgendwo im Staub? Aber eigentlich hatte ich mich schon mit dem Verlust abgefunden, irgendwer hat sich sicher gefreut und da ich diese Jacke vor Jahren auf der Lott (einem Festival im Hunsrück) selbst gefunden hatte, war es nur fair, dass sie „weiterreist“. Aber als ich erschöpft von dem Tag mit dem Schlüssel in der Hand vor meiner Haustür stehe, muss ich lachen. Irgendeine gute Seele hat die Jacke wohl gefunden, mir zugeordnet und an meine Klinke gehängt. Die Welt ist hier so klein!

Das merke ich auch, wenn ich über das Gelände laufe – ständig wird „Hannah, habari“ gerufen und egal wie dringend ich wohin muss (wobei das eigentlich nicht vorkommt, alles kann warten), ich bin verpflichtet anzuhalten und einen kleinen Smalltalk zu führen. Weil die wörtliche Übersetzung so wunderbar ist, hier mal ein Exempel, wie sowas ablaufen kann: „Hey, Hannah, Neugkeiten?“ „Gute. Du keine Probleme?“ „Ich keine Probleme. Wie fährst du fort?“ „Sauber. Wie hast du gewonnen?“ „Friedlich. Neuigkeiten deiner Familie?“ „Gute. Neuigkeiten deines Hauses?“ „Gute. Okay, später“ „Wir werden uns wiedersehen.“

Meistens wird seit neustem auch in den Smalltalks irgendwie über Wasser geredet, letzte Woche gab es schon 4 Tage kein Wasser mehr und auch diese Woche müssen wir das Wasser von dem Fluss nahe des Krankenhauses (nicht nah genug, wenn man 20 Liter Wasser tragen muss!) in Eimern nach Hause schleppen. Die tansanischen Frauen machen das natürlich ganz elegant, tragen 20 Liter auf dem Kopf, noch je einen Kanister pro Hand und am besten noch ein Kind auf dem Rücken (das typischerweise noch schläft). Bei mir sieht das Prozedere wohl so unbeholfen aus, dass die Leute Mitleid haben und mir oft zur Hilfe eilen. Eine Freundin hat mich schon Schildkröte genannt, weil mein Hals verschwindet, wenn so eine große Last auf meinem Kopf ruht (wobei von Ruhe eigentlich nicht geredet werden kann…). Seitdem trage ich den Eimer, wie die Männer, „einfach“ mit der Hand. Die ganze Region Kagera braucht dringend Regen, in ein paar Wochen vertrocknet sonst die ganze Saat. Die Bauern machen sich jetzt schon Sorgen und die Wasserknappheit kommt auch jeden Morgen in der Andacht zur Sprache. Es ist mein persönlicher Luxus, wenn ich duschen kann und den Hahn aufdrehe und Wasser fließt, aber ohne das kann man leben. Es ist aber notwendig, dass es regnet, damit die Ernte gesichert werden kann und damit der Bach nicht austrocknet. Die Worte „drohende Hungersnot“ sind schon gefallen… Jetzt merkt man erstmal, wie lebenswichtig Regen ist. Schon verdreht, in Deutschland freut man sich über wolkenfreien Himmel und Sonnenschein, hier empfindet man das momentan als Fluch und hofft auf gutes Wetter: Regen.

Und noch eine kleine Anmerkung zum Daladala fahren: man sollte wirklich, wirklich nicht einer korpulenten Frau seinen Schoß anbieten, egal wie voll das Daladala ist. Denn wenn man aussteigen muss, das aber nicht kann, weil beide Beine eingeschlafen sind und sich auch nicht erklären kann (offensichtlich kann man nicht einfach „meine Beine sind eingeschlafen“ übersetzen) und somit einiges aufhält, mag das ja im Nachhinein andere belustigen, aber in dem Moment produziert das nur einen hochroten Kopf.  

 

 

Aber die Tatsache, dass dort geholfen und geheilt wird und man am Ende alles wieder zuflickt (was beim Metzger ja eher selten der Fall ist…), fasziniert mich. Genauso wie es mich fasziniert, wie schnell man etwas kaputt machen kann (jemanden aufschneiden) und wie lang es dann dauert, das wieder zu reparieren (jemanden zumachen). Die Kunst, eine Wunde zu verschließen ist eine viel Größere als die, eine zu erschaffen.

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Kommentare

  1. 1. sulin  |  19 April 2018, 08:17

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